Als ich vor kurzem längere Zeit im Ausland war, wurde ich oft gefragt wo ich herkomme. Ich antwortete standardmäßig „Aus Trier“. Die verständnislosen Blicke habe ich jedes mal genossen, kennt man im Ausland doch eher die Touristenmekkas Berlin, Hamburg, München und Heidelberg. Da hört bei vielen aber leider schon das Wissen über Deutschland auf. Ich habe dann immer süffisant nachgeschoben: „Es ist die älteste Stadt Deutschlands.“ Und ab diesem Moment hatte ich ihre Aufmerksamkeit, um über meine Wahlheimat zu erzählen.

Und es gibt sehr viel zu erzählen. Für die Menschen, die ebenfalls noch nie etwas über Trier gehört haben, die Stadt liegt im Westen von Rheinland-Pfalz, an der Mosel, in der Nähe zu Luxemburg. Trier wird von den Einheimischen auch gerne als „Moselmetropole bezeichnet. Das liegt vor allem daran, daß rings um diese Stadt nicht viel existiert. Außer Wald, Berge und fantastische Wandergebiete. Aber ich greife vor. Schauen wir uns die Gründe genauer an, warum sich eine Reise in diese Stadt lohnt.

1. Römer, Römer, Römer

Am 3. März im Jahre 16 v. Chr. wurde Trier offiziell von den Römern unter dem Namen Augusta Treverorum durch den damaligen Kaiser Augustus gegründet. Bevor die Römer kamen stand hier aber schon seit eine keltische Stadt, die ein paar hundert Jahre vor den Römern gegründet wurde, vielleicht sogar 2005 v. Chr.. Besiedelt war das Moseltal schon seit der Jungsteinzeit. Aber zurück zu den Römern.

In den Jahrhunderten der römischen Herrschaft stieg Trier zum Bischofssitz auf und wurde im Jahr 328 zur Hauptstadt des Römischen Reiches. Gleichzeitig war Trier in dieser Zeit die größte Stadt nördlich der Alpen. Die Stadt wurde von den Alemannen, den Franken und von Attila dem Hunnenkönig mehrfach erobert und im Jahr 882 von den Wikingern fast vollständig zerstört. Und aus dieser römischen Blütezeit stammen viele weltberühmte römische Bauten, wie die Porta Nigra, das größte noch vollständig erhaltene Stadttor aus römischer Zeit außerhalb Roms, die Kaiserthermen, die Palastaula, Thronsaal von Kaiser Konstantin, das Amphitheater, die alte Römerbrücke, der Trierer Dom und hunderte andere kleinerer Stätten. Trier wurde lange Zeit auch das „Rom des Nordens“ genannt, und das zurecht. Bei einer Stadttour kommt man alleine im Stadtgebiet an acht UNESCO-Welterbestätten vorbei.

2. Kirchen, Kirchen, Kirchen

Die Dichte an berühmten Kirchen ist in Trier einmalig. Mitten im Zentrum steht der Trierer Dom, mit einem Alter von 1700 Jahren die älteste Kathedrale Deutschlands. Die architektonische Mischung aus gotischen, barocken und romanischen Elementen zeugt von der langen Geschichte der Kathedrale, aber auch die Schatzkammer ist einen Besuch wert. Es zeigt eine bemerkenswerte Sammlung religiöser Kunst aus der Spätantike. Zu erwähnen ist außerdem, daß der Trierer Dom die Heimat einer der bedeutendsten Reliquien der Christenheit ist: Der Heilige Rock, das Gewand, in dem Jesus Christus angeblich zur Kreuzigung geführt wurde. Neben dem Dom steht die Liebfrauenkirche aus dem 13. Jahrhundert, ihres Zeichens Deutschlands älteste gotische Kirche. Zusätzlich sind dutzende weitere, zum Teil prächtige Kirchen über das Stadtgebiet verteilt.

3. Der mittelalterliche Stadtkern

Zentrum der Stadt ist der Hauptmarkt, der größte Marktplatz Triers. Der Platz ist von gut erhaltenen und restaurierten Stadthäusern umgeben, die ein gemischtes Gesamtbild aus Renaissance, Barock, Klassizismus und spätgeschichtlicher Architektur schaffen, das vom Turm der St. Gangolf-Kirche überragt wird. Die Steipe aus dem 15. Jahrhundert, mit ihrer auffälligen roten Farbe, ist ein weiterer Blickfang in dieser farbenfrohen Mischung.

4. Geburtsstadt von Karl Marx

Für jeden politisch interessierten Menschen ist das Geburtshaus von Karl Marx sehenswert. 1818 wurde der kommunistische Revolutionär hier geboren. Das Haus wurde in ein Museum umgewandelt, das sein frühes Leben in Deutschland, seine bahnbrechenden Konzepte und ihren Einfluss auf den bisherigen Verlauf der Geschichte und seine Zeit im Londoner Exil darstellt, wo er im Alter von 64 Jahren starb. Das macht Trier zu einem der Hauptausflugsziele chinesischer Touristen.

5. Kultur und Kneipenkultur

Hoch auf dem Petrisberg befindet sich die renommierte Trierer Universität, dessen archäologischer und ägyptologischer Fachbereich weltberühmt ist. Die hohe Zahl an Studenten in Trier, hat zu einer ganz besonderen Kneipenkultur geführt. Es gibt zahllose Kneipen, Pubs und Lokale, von urigen Kellerkneipen über moderne Lounges bis zu irischen Pubs hat Trier für jeden Geschmack und mehrere Alternativen zu bieten. All das macht auch die Vielfalt des kulturellen Lebens in Trier aus. Die Zahl an Veranstaltungen ist in ihrer Vielfalt und Fülle beispiellos. Auch die vielen Museen Triers sind erwähnenswert, allen voran das rheinische Landesmuseum mit seinem Highlight, dem in Trier gefundenen römischen Goldschatz. Egal wofür man sich interessiert, in Trier ist immer etwas los.

6. Das ehemalige jüdische Viertel

Die Spuren der jüdischen Gemeinde in Trier reichen bis in die Antike zurück und können heute besichtigt werden. Führungen haben historischen Stätten wie einem ehemaligen Badehaus und den Fachwerkhäusern der Judengasse zum Ziel, die einst den Mittelpunkt der Gemeinde bildeten. 1418 wurde die jüdische Gemeinde aus der Stadt vertrieben und erst 1600 zurückgerufen, woraufhin sich die Familien über die ganze Stadt ausbreiteten.

7. In vino veritas

Die Moselregion Trier bietet einige der besten Weissweine der Welt. Die steilen Hügel des Tals sind mit Terrassen aus Weinbergen bedeckt, auf denen hauptsächlich Riesling angebaut wird. Für Weinkenner ist die Weinstube Kesselstadt in der Innenstadt eine der ersten Adressen für Weinproben. Aber auch für Bierkenner ist etwas dabei: Die kleine Brauerei Petrusbräu hat sich voll und ganz der Kreation von Craft-Bier verschrieben, welches in der hauseigenen Braustube ausgeschenkt wird.

7. Flusslandschaften

Trier erstreckt sich auf beiden Seiten der Mosel und bietet atemberaubende Ausblicke auf den Fluß. Man kann verschiedene Flusskreuzfahrten buchen, entweder um die Stadt zu erkunden, oder die Mosel hoch und runter zu fahren. Mittelalterliche Städte, Burgruinen und malerische Weinberge prägen die Region und bieten unzählige Möglichkeiten, weitere Entdeckungen zu machen.

9. Das Dreikönigenhaus

Wer vom Marktplatz aus in Richtung Porta Nigra läuft, dem wird dieses Haus unweigerlich auffallen. Erbaut um 1230, noch vor dem Bau der mittelalterlichen Stadtmauer von Trier, war das Dreikoenigenhaus bereits von einer wohlhabenden und wohl einflussreichen Familie besetzt. Damals befand sich der Haupteingang des Hauses im ersten Stock und war nur über eine Leiter zu erreichen, die hochgezogen werden konnte, um das Eindringen unerwünschter Gäste zu verhindern.

10. Grünzeug

Das Trierer Stadtbild ist eines: Grün. In fast jeder Straße stehen Bäume, der Alleenring führt mit einem breiten parkartigen Grünstreifen um das komplette Stadtzentrum und es gibt etliche wunderschön gestaltete Parks, die zum Verweilen und erholen einladen. Allen voran natürlich der Palastgarten, mit seinem atemberaubenden Blick auf das kurfürstliche Schloss.

10. Wanderwege

Outdoor-Fans sollten auch unbedingt einen der vielen Wanderwege erkunden, die die Region Trier durchqueren. Die drei großen Wege sind der Saar-Hunsrück-Steig, der Eifelsteig nach Aachen und der Moselsteig. All diese Wege bieten Panoramatalsichten, dichte Waldgebiete, romantische Bäche und kulturelle Sehenswürdigkeiten. Die meisten Routen beginnen bei der Touristeninformation.

Das war nur eine kleine Auswahl an Dingen, die man als Besucher in Trier vorfindet. Es gibt noch so viel mehr zu entdecken, geheimnisvolle Legenden zu erkunden und zu erleben. Trier ist zwar nicht so bekannt wie die großen Touristenziele, hat aber mindestens genauso viel zu bieten. Wenn nicht sogar mehr.

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