Thru-Hike Kosten Appalachian Trail

Ein Thru-Hike auf dem Appalachian Trail erfordert einiges an Hingabe und Stärke. Aber nicht nur physisch und psychisch sollte man dafür wenigstens einigermaßen in Form sein. Der finanzielle Aufwand eines 6-monatigen Wandertrips sollten nicht unterschätzt werden. Wir versuchen anhand persönlicher Erfahrungen, die Kosten, auch und besonders die versteckten Kosten, aufzuschlüsseln. Im Grund genommen können die Thru-Hike Kosten in drei große Blöcke aufgeteilt werden.

Thru-Hike Kosten: Ausrüstung

Der Outdoorladen

Wenn Sie sich die passende Ausrüstung für einen Thru-Hike zulegen möchten und nicht schon ein erfahrener Wanderer sind, gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist der örtliche Outdoorladen. Zwischen Regalen voll mit Utensilien, deren Zweck sich auf den ersten Blick kaum erschliesst, Rucksäcken, Schuhen, Ausrüstung und Klamotten, von denen oft die Hälfte lediglich gut aussehen, ansonsten aber völlig untauglich für Ihre Zwecke sind, werden Sie wohl nach kurzer Zeit von einem der dort lauernden Verkäufer angesprungen.

Aber auch hier gibt es zwei Sorten von Verkäufern: Die einen, die Ahnung haben und die anderen, die vorgeben Ahnung zu haben. Beiden gemein ist, daß sie Ihnen etwas verkaufen wollen. Dagegen kann man sich wehren, indem man sich schon vorher wenigstens grob informiert. Dann erkennen Sie recht schnell, ob der Ihnen gegenüberstehende Verkäufer nur die Produktdatenblätter auswendig gelernt hat, oder sich tatsächlich auskennt.

Hatben Sie auf diese Weise erstmal die Spreu vom Weizen getrennt, gilt es, dem Verkäufer möglichst präzise klarzumachen, was Sie suchen. Und was nicht. Natürlich wird der Verkäufer, aus reinem Eigeninteresse, Ihnen nicht gerade die preisgünstigsten Varianten verkaufen. Zum Beispiel statt der einfachen Regenjacke im Wert von 40 Euro, werden dann gerne mal die vermeintlichen Vorzüge der 400 Euro Luxus-Wetterjacke angepriesen. Dabei haben beide Modelle zwei Sachen gemeinsam: Sie halten beide den Regen draussen und den Schweiß drinnen, ganz egal wie atmungsaktiv sie sein sollen. Aber zu den spezifischen Ausrüstungslisten kommen wir in einem späteren Artikel.

Wir sehen also, das Einkaufen im Outdoorladen mag für viele ohne Wandererfahrung bequem sein. Aber es wird sehr schnell, sehr teuer. Da die Entscheidung, den Appalachian Trail zu wandern nicht erst drei Wochen vor der Abreise fällt, hat man ohnehin genug Zeit, sich in das Thema Ausrüstung einzulesen. Kommen wir also zur Option 2.

Die Internetrecherche

Sich auf eigene Faust im Internet auf die Suche nach passender Ausrüstung zu machen, ist eine langwierige Sache, die sich über Monate hinziehen kann. Am Anfang mag es mühsam sein, aber die Vorteile überwiegen deutlich. Sie bekommen einen tiefen Einblick in die weite Welt der Meinungen über Ausrüstung und müssen sich irgendwann einfach nur entscheiden und können in Ruhe bestellen.

Der Nachteil allerdings ist, daß Sie die Dinge nicht in den Händen halten können. Von daher sind Sie auf die Meinungen Dritter angewiesen. Und da im Netz irgendwie selbst die abstrusesten Meinungen eine Plattform finden, sollten Sie sich wirklich viel Zeit nehmen.

Die Kosten

Wieviel die Ausrüstung jetzt tatsächlich kostet, lässt sich kaum schlüssig beantworten. Für den einen muß es das Hennessy Hängematten-System für 250 Euro sein, für andere genügt das Standardzelt eines Outdoorausstatters für 70 Euro. Der Preis jedes Gegenstands ist abhängig von persönlichen Präferenzen, von der Bereitschaft, Abstriche zu machen und von dem Gewicht, das man sich selbst zumuten möchte.

Grob gesagt kommen Minimalisten mit einem Budget von 300 Euro aus. Dabei nehmen sie eben Abstriche in Sachen Gewichtsersparnis, Funktionalität und Komfort in Kauf. Wem diese Punkte allerdings wichtiger sind, der kann durchaus mit einem Preis von über 2000 Euro für High-End Ausrüstung rechnen. Es kommt eben ganz auf den eigenen Geldbeutel an.

Eine weitere Möglichkeit ist gebrauchte Ausrüstung, welche meist deutlich günstiger ist als Neuware. Hier ist darauf zu achten, daß die Ausrüstung in einem Top-Zustand ist, denn schliesslich soll sich noch weitere 3600 km und knapp 180 Tage halten. Der Trail ist ein Härtetest für jedes Ausrüstungsstück.

Thru-Hike Kosten Appalachian Trail
Entlang des AT gibt es viele Trail Angels, die Hiker hin und her shutteln.

Thru-Hike Kosten: Vorbereitung, Hin- und Rückreise und Transportkosten

Vorbereitung

Die Kosten der Vorbereitung vor dem Trail sind recht überschaubar. Da wären zum einen die Kosten für das USA Visum, welche 144 Euro betragen. Dazu kommt die Auslandskrankenversicherung, die zwingend notwendig ist und, je nach Kasse, mit 50-200 Euro zu Buche schlagen. Hinzu kommen schwer zu überschauende Kosten für zum Beispiel Zahnbehandlungen im Vorfeld und die diversen Kleinigkeiten, die sich zusammenrechnen. Im Großen und Ganzen kann man mit etwa 500 Euro Vorbereitungskosten rechnen.

Hin- und Rückreise

Die Hin- und Rückreise ist keine einfache Sache. Man sollte schon lange vor Reisebeginn die Flugkosten im Auge behalten. Für mich hat sich damals der Direktflug von Düsseldorf nach Atlanta als der günstigste erwiesen. Eine fähige Reisebüromitarbeiterin kann Ihnen da einiges an Arbeit abnehmen und Flüge zuzsammenstellen, die überaschend preiswert sind. In meinem Fall lagen die Kosten für Hin- und Rückflug zusammen bei nur 650 Euro, ein ziemliches Schnäppchen. Dazu kommt allerdings die zwingend erforderliche flexible Umbuchung des Rückflugs, da Sie nicht wissen können, wann sie Ihren Thru-Hike beenden werden. Die Umbuchungsgebühr beträgt je nach Airline zwischen 100 und 250 Euro und ist am bequemsten vom Reisebüro Ihres Vertrauens vorzunehmen.

Wir kommen also hier insgesamt auf einen Schätzpreis von etwa 1000 Euro. Rechnen wir lieber mit den Obergrenzen.

Transportmittel in den USA

Die Transportkosten innerhalb der USA sind auch sehr vage. Wenn man auf dem Trail unterwegs ist, betragen die Transportkosten in der Regel genau 0. Will man vom Trail in die nächste Stadt fahren, um Vorräte aufzustocken oder eine Nacht in einem Motel zu verbringen, stellt man sich einfach an den Straßenrand und streckt den Daumen raus. Die Menschen, die in Trailnähe leben kennen die Thru-Hiker und nehmen sie gerne mit.

Das Problem ist die Anreise zum Startpunkt des Trails. Durch die steigende Zahl der Besucher haben viele in Atlanta ansässige Fahrer den Transport von Wanderern zu Startpunkt des Appalachian Trails zum Geschäftsmodell gemacht. Die Preise, die manche von ihnen dafür verlangen, sind exorbitant hoch. So kann es durchaus vorkommen, daß das Shuttle zum Amicalola State Park oder zum Springer Mountain Parkplatz bis zu 200 $ kostet. Um die Kosten niedrig zu halten, empfiehlt es sich auch ier, die Fahrt früh zu buchen und mehrere der Shuttlefahrer im Vorfeld zu kontaktieren. Gleiches gilt für die Fahrt von dem Endpunkt des Trails, Mt. Kathadin in die nächste Stadt.

Man sollte also durchaus mit 300 Euro Transportkosten in diesem Bereich rechnen, was uns zusammengerechnet auf eine Reisesumme von rund 1800 Euro bringt. Damit ist man auf der sicheren Seite.

Doyle Hotel, Dalton
Das legendäre Doyle Hotel in Dalton

Thru-Hike Kosten: Das Leben auf dem Trail finanzieren

Kommen wir nun zum größten Posten der Thru-Hike Kosten, das Leben auf dem Trail selbst.

Verpflegung

Es gibt unterschiedliche Arten, den Trail zu wandern, das kann nicht oft genug erwähnt werden. Es gibt als Extrem die Wildnis-Enthusiasten. Diese Wanderer versuchen die Trail-Städte weitestgehend zu meiden, um die komplette Wildnis-Erfahrung erleben zu können. Sie betreten eine Stadt meistens nur, um fix Vorräte aufzustocken und dann direkt wieder im Wald zu verschwinden. Als anderes Extrem sind die Partygänger unterwegs, deren Hauptaugenmerk auf der sozialen Komponente des Trail liegt. Sie lassen kein Hostel und keine Stadt aus, es könnte ja irgendwo etwas zu feiern und zu trinken geben.

Dies aber nur zur Einleitung. Wir konzentrieren uns hier auf den Durchschnittswanderer, der seine bekannten Ansprüche in Sachen Verpflegung zwar enorm gesenkt hat, aber nicht komplett minimalistisch unterwegs ist.

Um seine Vorräte aufzustocken, gibt es entlang des Trails in den meisten Städten Geschäfte wie Walmart und ähnliche große Discounter, Dollar General oder Tankstellen, letztere sind bekanntlich am teuersten. Walmart bietet die beste Auswahl, was aber auch dazu führt, daß man oft Dinge kauft, die nicht essentiell notwendig sind. Irgendwann hängen einem die Pasta-Gerichte und Ramen Nudeln zum Hals raus. Und wenn die gut sortierte Obstabteilung bei Walmart lockt, fällt es schwer zu widerstehen.

In der Regel kauft man dann für 3-5 Tage Lebensmittel, je nach Distanz zum nächsten Geschäft entlang des Trails. Im Monat kommen dabei Verpflegungskosten zwischen 300 und 600 Euro pro Monat zusammen.

Dabei muß berücksichtigt werden, daß es in den südlichen Staaten alles wesentlich günstiger ist. Je weiter nördlich man kommt, desto teuer wird Verpflegung, Motels, Hostels und Imbissbuden in Trailnähe.

Eine Möglichkeit, diese Kosten nach unten zu drücken, sind soganannte Maildrops. Es ist nichts anderes als vor dem Trail gepackte Care-Pakete, die unverderbliche Lebensmittel enthalten. Man plant seine Wanderung und schickt die Pakete postlagernd in verschiedene Trail-Städte mit dem Vermerk „Hold for AT-Hiker“. Die Postämter halten das Paket dann bis es abgeholt wird. Darüber an anderer Stelle mehr.

Mail Drops sind eine hervorragende Möglichkeit, um teure Gegenden zu vermeiden und die Kosten gering zu halten. Und wenn die Gier nach etwas besonderem doch zu groß wird, kann man dies oder das dann immernoch einkaufen. Maildrops sind sozusagen als preiswerte Ergänzung zu sehen. Der Nachteil daran ist, daß man durch die Öffnungszeiten gezwungen ist, zu bestimmten Tageszeiten und Wochentagen an bestimmten Postämtern zu sein. Ähnlich funktioniert die „Bounce-Box“, die von Postamt zu Postamt weitergeschickt wird. Auch darüber wird es noch einen separaten Artikel geben.

Thru-Hike Kosten Appalachian Trail
Hiker bei der Eis-Challenge nahe der 50%-Wegmarke

Unterkünfte

Die günstigste Unterkunft entlang dem Appalachian Trail ist zweifellos das eigene Zelt, die eigene Hängematte oder die Shelter. Aber irgendwann wird der Drang nach einer warmen Dusche und den Annehmlichkeiten eines Hostels, Motels, Hotels einfach übermächtig. Auch einen Zero-Day, einen Ruhetag, verbringt man lieber in einer Stadt, als irgendwo im Wald. Und das ist, wo es richtig teuer werden kann.

Es gibt zwar etliche Hostels entlang des Trails, allerdings nicht genug, um alle müden Hiker aufnehmen zu können. Auch ist ein echtes Bett in einem Motel mit eigener Dusche und einem Porzellanklo, das ganz einem selbst gehört, einfach zu verlockend. Dafür bezahlt man dann auch gerne mal ein paar Dollar mehr. Manche bevorzugen ab und zu sogar den Luxus von Hotels, um die müden Knochen auszuruhen.

Die Preise variieren stark. Bekommt man im Süden ein Hostelbett schon für 10$ die Nacht, so zahlt man im Norden schonmal das Dreifache. Bei den Motels ist es ähnlich, weshalb sich viele Hiker ein Motelzimmer teilen, um die Kosten gering zu halten. Die Motelbesitzer haben damit meistens kein Problem. So kommt es häufig vor, daß sich vier oder gar sechs durchgeschwitzte Wanderer ein Zimmer mit 2 Betten teilen. Die Duftnote in diesen Zimmern ist beispiellos.

Im Durchschnitt nimmt ein Wanderer alle 8-10 Tage eine bezahlte Unterkunft. Rechnet man das auf den gesamten Trail hoch, gelangt man auf eine monatliche Summe von rund 50-150 Euro im Monat für den Luxus von Dusche, Klo und Bett.

Ausgaben in den Städten entlang des Trails

Die unberechenbarsten Ausgaben lauern allerdings abseits des Trails. Oft ist der erste Gang nach dem Einchecken in die Unterkunft entweder in die lokale Bar oder ins lokale Diner oder Deli. Und dank dem Hiker-Hunger kann das durchaus einiges kosten. Eine Rechnung im Diner von 20$ ist keine Seltenheit im Südden. In der Mitte verführen Delis entlang des Trails die ausgehungerten Wanderer zu einem Bagel, Sandwich oder Sloppy Joe. In den Trail-Städten sind Burger und Bier fast obligatorisch. Und natürlich Pizza. Und alles andere, was so angeboten wird, von Mc Donalds bis Taco Bell.

Es ist auch nicht Sinn, sich diese Selbstbelohnung nach harten Tagen im Wald zu verwehren. Die zusätzlichen Kalorien werden meistens bitter benötigt. Mein persönlicher Rekord war bei einem Pizza Hut All you can eat. 25 Stück Pizza fanden den Weg in meinen Bauch. Hiker-Hunger eben.

Auf diese Weise läppert sich ein beachtlicher Betrag zusammen, der mit eiserner Disziplin und purer Selbstverweigerung eigentlich auf Null zu senken wäre. Aber man wandert den Trail nunmal. Und dann sollte man die Zeit auch geniessen können. Aber das kann dann eben durchaus 200-400 Dollar monatlich kosten, die zu den Thru-Hike Kosten hinzuzurechnen sind.

Thru-Hike Kosten Appalachian Trail
Entlang des Trails lauern unzählige, teure Verlockungen

Zusammenfassung

Fassen wir alle Posten zusammen, bekommen wir eine ungefähre Vorstellung, wie hoch die Thru-Hike Kosten tatsächlich sind.

Ein sparsamer Hiker kommt insgesamt mit allen Kosten mit 6000 Euro aus. Ein Luxus-Hiker hingegen, der es sich richtig gut gehen lässt, kann für dieses Projekt durchaus 11 000 Euro oder sogar mehr springen lassen. Mein eigener Thru-Hike hat 2016 rund 8000 Euro gekostet, was mich ziemlich genau in der Mitte einordnet. Ich habe mir damals nicht viel verkniffen, aber ich habe nach den Preisen geschaut. Diese Summe sollte man als einzelner Thru-Hiker auf jeden Fall einplanen.

Natürlich gibt es auch Spezialisten, die den Trail mit viel weniger Ausgaben laufen. Das ist aber sicher die Ausnahme. Umfragen unter Thru-Hikern haben tatsächlich ergebn, daß diese im Durchschnitt etwa 6000 Euro ohne Reisekosten ausgegeben haben.

Nutzen Sie diese Angaben bitte umsichtig und sehen Sie sie als Richtwerte. Es sind keine in Stein gemeisselten Zahlen. Auch der Dollarkurs kann zu einem beträchtlichen Teil dazu beitragen, die Thru-Hike Kosten zu steigern oder zu senken.

Abschliessend bleibt noch zu erwähnen: Ein Thru-Hike ist jeden einzelnen Cent wert, den er kostet. Besser kann man sein Geld nicht investieren, als in sich selbst.

Weitere Artikel über den Appalachian Trail:

  1. Einleitung
  2. Was ist der Appalachian Trail?
  3. Weitwandern – Kann ich das? Kann ich das nicht?
  4. Appalachian Trail Planung – Wieviel Zeit nimmt ein Thru-Hike in Anspruch?
  5. Thru-Hike Kosten: Wie teuer ist eine Wanderung des Appalachian Trails?
  6. Appalachian Trail Terminologie

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